Auf irgendeinem Stehempfang mit wichtigen Menschen. „Und was machen Sie beruflich?“ „Ich bin Mutter und Hausfrau.“ Kurzes Schweigen, die Befragte kennt das. Dann aber bemüht anerkennend: „Jaja, die Kleinen, die machen sicher viel Arbeit ... Sie entschuldigen mich.“
Eine Frau, die sich entschieden hat, Kinder zu erziehen und, je nach Größe der Familie, einen 14-Stunden-Tag auf sich nimmt, trägt häufig das Etikett „Dummchen“ auf der Stirn. In der Regel erlebt sie einen Reaktions-Cocktail aus unterschwelliger Anerkennung im Tonfall, Mitleid bis Unverständnis in Blick, Lächeln und Unterton, und dem erhabenen Gefühl von Überlegenheit in Gestik (man schwenkt weltmännisch das Prosecco-Glas) und Denken (die Gedanken sind!). Und das zu Recht, denn man selber tut ja etwas für das Bruttosozialprodukt. „Die Arme, kaum Sozialkontakte, bedauernswert. Wie schafft die das?“